Gesprächskreis Ilex e. V.

 

Gesprächskreis Ilex e. V.

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Ist der Bauer heute ein Industrieunternehmer?

Bericht: Sigrid Vierow

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Dr. Juliane Rumpf war am Montag, den 28. Februar, Gast des Gesprächskreis Ilex e.V. in Kaltenkirchen.

Vor über 100 Zuhörern begann die Ministerin mit einer Chronologie über den Dioxinskandal, von der 1. Meldung am 23.12.2010 bis zur Untersuchung der Staatsanwaltschaft im Januar bei der Firma Harles & Jentzsch. Als Konsequenz aus dieser Panne soll eine Analyse erstellt werden, wo die Schwachstellen in den Kontrollen vorliegen. Frau Rumpf plädiert für mehr Eigenkontrollen, eine Meldepflicht für Labormitarbeiter, eine Strafverfolgung bei Verstößen und einen Zugriff auf das Vermögen des Betriebes, der straffällig wurde.

Frau Dr. Juliane Rumpf bei ihrem Referat

Dann kam die Ministerin auf das eigentliche Thema des Abends Ist der Landwirt heute ein Industrieunternehmer zu sprechen. Während im 19. Jahrhundert noch 38,2 % Erwerbstätige in der Landwirtschaft beschäftigt waren, sind es heute nur noch 2,1 %. Durch die landwirtschaftlichen Geräte werden immer weniger Mitarbeiter benötigt. Hier in Schleswig-Holstein haben wir fast zu 100 % Familienbetriebe, die durch gute Ausbildung und Spezialisierung mit wenigen Arbeitnehmern geführt werden können. Größere Betriebe sind heute managergeführt und haben dadurch gut ausgebildete Mitarbeiter, die solchen Industrieunternehmen mit den heutigen Anforderungen gerecht werden.

Wir produzieren in Deutschland qualitativ hochwertige, kontrollierte Produkte, die aber größtenteils ins Ausland exportiert werden. Hierzulande gibt man nur ca. 10 % für Lebensmittel aus und nur wenige sind bereit, für geprüfte Ware mehr Geld auszugeben. Um am Markt bestehen zu können, sollten mehr Betriebe zusammenarbeiten und ihre Produkte aktiver vermarkten, um sich für den Export zu stärken und die deutschen Kunden mehr für sich zu gewinnen.

Ein 'Dankeschön' von unserer 2. Vorsitzenden

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde angesprochen, dass die Kennzeichnungspflicht von Lebensmittel in Deutschland sehr zu wünschen übrig lässt. Dies bejaht die Ministerin mit dem Hinweis auf die EU-Richtlinien, die einen großen Spielraum ermöglichen. Ein weiterer Punkt war die sogenannte Vermaisung. Um Biogasanlagen zu betreiben, wird in Deutschland immer mehr Mais angebaut. Dies führt zu Monokulturen und dadurch zu Umweltschäden. 2 Landwirte aus der Region haben einen kleinen Einblick in die heutige Landwirtschaft gegeben. Um Mais anbauen zu dürfen, muss mindestens 1/3 der Fläche mit Mischkultur bewirtschaftet werden. Laut der Ministerin muss ein Umdenken stattfinden, auch was die Subventionen anbelangt. Ebenso erforscht man Alternativen zum Mais, z.B. Blühpflanzen sollen die Monokultur aufbrechen.

Eine hitzige Debatte entbrannte durch ein Mitglied der Initiative pro Henstedt, der extra gekommen war, um vor der Ministerin seinen Unmut über die Vermaisung und die immer neuen Biogasanlagen zu äußern.

Frau Dr. Rumpf hat alle Fragen sehr ruhig und sachlich beantwortet und sie wird sicherlich einige Denkanstöße mit nach Kiel genommen haben.

Der Gesprächskreis ILEX bedankte sich bei der Ministerin für ihr Referat und die ausführlichen Antworten. Ein interessanter Abend ging viel zu schnell zu Ende.

Gesprächskreis Ilex e. V. · Bürgerhaus · 24568 Kaltenkirchen