Gesprächskreis Ilex e. V.

 

Gesprächskreis Ilex e. V.

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Die Aufgaben der Präsidentin des Oberlandesgerichts

Bericht über die Veranstaltung am 28.03.2011

Sigrid Vierow

Uta Fölster, die Präsidentin des OLG Schleswig war zu Gast beim Gesprächskreis Ilex e.V. im Bürgerhaus Kaltenkirchen

Dass Uta Fölster Pressesprecherin des Bundesverfassungsgerichts war und ihren Job gut gemacht haben muss, hat man bei ihrem Vortrag in Kaltenkirchen genießen dürfen.

Frau Uta Fölster, Präsidentin
des Oberlandesgerichts

Zuerst berichtete sie, dass sie die einzige Juristin in der Familie ist und wie schwer es ihr am Anfang gefallen ist, aus ihrem beschaulichen Aukrug ins riesige Berlin zu gehen. Jetzt freut sie sich, ihren Beruf wieder in ihrer Heimat ausüben zu können.

Zu ihrem Gerichtsbezirk gehören 22 Amtsgerichte und 4 Landgerichte. Das OLG ist Rechtsmittelinstanz für Zivil- und Familiensachen. Zu den Aufgaben der OLG Präsidentin gehört die Ausbildung von Referendaren und die Bestellung von Notaren, das heißt, der Bedarf wird ermittelt und nach einem bestimmten Punktesystem bewertet. uvm.

Spannend waren die Fragen der Zuhörer, die gerne zu einigen konkreten Fällen Antworten gehört hätten. Auf die Frage, wie es sein kann, dass bei einem Prozess mehrere Richter tätig geworden sind, der Prozess zieht sich über viele Monate hin, sagte Frau Fölster, dass es nicht sehr gut ist für einen Prozess. Aber es kann sein, dass es Richter auf Probe waren, die gehen mussten. Oder es waren Richterinnen, die schwanger wurden. Es kamen auch Fragen zu bestimmten Urteilen. Dazu kam die klare Aussage, dass es ein Fehler ist, sich nur das Urteil anzusehen. Es ist wichtig, alle Fakten, also den gesamten Prozess und die Begleitumstände zu werten.

Eine Bereicherung für den Abend war auch Herr Dr. Wolf Reinhardt Wrege, Leiter des Amtsgerichts Norderstedt. Herr Dr. Wrege hatte von dem Vortrag Frau Fölsters in der Zeitung gelesen.

Es gibt heute die Möglichkeit einer Mediation, im besten Fall anstatt Gerichtsurteil, erklärte uns Dr. Wrege. Oft kommt es zu Prozessen, weil zu wenig geredet wird. Die Wirklichkeit ist nicht nur schwarz und weiß. Bei der Mediation kommt es darauf an, dass die Kontrahenten Anerkennung und Wertschätzung erhalten, um ohne Gesichtsverlust auf den Gegner zugehen zu können.

Frau Ingrid Heit bedankt sich
bei Frau Uta Fölster

Auf die Kritik, dass sich ein Prozessbeginn oft zu lange rauszieht, antwortete Frau Fölster, dass Strafprozesse zurzeit nach nur 6 Monaten beginnen und Jugendprozesse sogar nach nur 2 Wochen.

Auch zu Fehlentscheidungen hat Frau Fölster die klare Meinung, dass bei 6.000 Verfahren pro Jahr und teilweise komplizierten Gesetzen auch mal eine Fehlentscheidung passieren kann.

Sie plädiert für einfachere Gesetze, warnt aber davor, als Richter seine rechtstaatlichen Prinzipien aufzugeben. Ein Richter hat sich streng an die Gesetze zu halten. Gesetzesänderungen dürfen nur vom Bundesverfassungsgericht beschlossen werden.

Frau Fölster hat die etwa 60 Zuhörer in ihren Bann gezogen und hat es sich nicht nehmen lassen, mit dem Mikrofon zu jedem Fragenden persönlich zu gehen.

Auch dieser Abend war viel zu kurz für die Fragen, die man gerne noch gestellt hätte.

Gesprächskreis Ilex e. V. · Bürgerhaus · 24568 Kaltenkirchen